Ich bin schön.

Schönheit ist definitiv Ansichtssache, ich weiß das von mir. Manches gefällt mir, manches finde ich furchtbar. Manche sagen mir, ich bin hübsch, für andere wiederrum bin ich sogar wunderschön, ja mei, und manche sagen ich bin hässlich. Meinungen sind frei und Geschmäcker verschieden, aber ganz ehrlich, ist das alles wirklich so wichtig?!

 

Auf dem Bild links find ich mich eigentlich relativ schön. Allerdings gibts 2, vielleicht 3 Dinge, die ich auch da an mir hasse. Aber, Ansichtssache!


Ich bin schön.

Ich bin schön. Ja. Naja. Darf ich das überhaupt so über mich selbst sagen? Oder glauben jetzt alle meine Leser, ich bin eine arrogante, abgehobene Zicke? Ich weiß es nicht, denn grundsätzlich kann man es unserer lieben Gesellschaft ja sowieso, wie eigentlich immer, nicht recht machen. Schminkt man sich und richtet sich her, wird man als eitel abgestempelt, man brauche Stunden lang im Bad, man sei oberflächlich. Schminkt man sich hingegen nicht lässt man sich gleich gehen, ist assi. Im Endeffekt passts also einfach nie.

 

Wie dem auch sei, das Thema begleitet auch mich schon seit meiner Pubertät, spätestens aber seit einem Konflikt in der Uni, welcher sich im letzten Semester zugetragen hat. Um die Situation kurz zu erklären, wir hatten damals ein Gruppenprojekt, und ein Kommilitone hat zu diesem nichts, also wirklich gar nichts beigetragen. Als wir ihn darauf hingewiesen haben (wirklich freundlich, anfangs!) schlugen uns nur Argumente entgegen wie, "Sag mal, wie gehst du eigentlich außer Haus?!", "Hast du kein Spiegel?" und "Was mischt du dich da ein, du bist genauso hässlich.". Nach diesen Argumenten war das Gespräch beendet (aus Gründen :D) für mich zumindest. Meine Freundin haben die Beleidigungen damals ziemlich getroffen, was ich gut verstehen kann, denn wir Frauen sind doch einfach angreifbar wenn es um unser Äußeres geht. Ja, auch wenn Frauen das oftmals nicht zeigen.

 

Ich bin da natürlich nicht anders. Auch mir hat sowas lange sehr weh getan, wenn jemand gesagt hat, ich sei hässlich. Vor allem in der Schulzeit war das hart, aber hey, man gewöhnt sich an alles, nicht? Im Gegenteil ist es dann natürlich auch ein echtes Kompliment zu hören, man sei hübsch, schön, etc. Was mir aber in den letzten Wochen auch aufgefallen ist (und bitte lest erst den ganzen Text und stempelt mich nicht vorher ab!!) ist folgendes: Wenn ein Kerl zu mir sagt, Hey, du bist ja hübsch, oder ich anderweitig ein Kompliment bekomme, egal ob von Freund, Kumpel oder Fremden, und darauf mit "Danke, ich weiß" antworte, heißt es immer gleich woa woa woa, bist du arrogant. Und ja ich weiß selbst, die Aussage klingt erstmal richtig arrogant, aber ich bin ja noch nicht fertig mit dem was ich sagen will. Aber liebe (Männer-) Welt, glaubt ihr wirklich, ich steh morgens vor dem Spiegel, male mich an und verlasse das Haus, auch wenn ich nicht zufrieden bin? Ich weiß das, nicht nur von mir, auch von Freundinnen, wir fühlen uns alle einfach zumindest etwas hübscher, wen Puder unsere Haut mattiert, die Wimperntusche die Wimpern verlängert, und das Rouge uns frischer aussehen lässt. Gleichzeitig bekommt man natürlich gern Komplimente, aber, und das ist der Punkt um den es mir heute, ist Aussehen echt immer so unglaublich wichtig? Und vor allem, sind wir (als Frauen) dann wirklich verpflichtet, jeden Tag top gestylt zu sein? Kann ich nicht mal, wenn ich beispielsweise nur in der Uni sitze, ungeschminkt sein, meine Haare zum Dutt tragen und in Jogginghose dahingammeln ohne blöd angemacht zu werden? Darf denn nicht jeder so aussehen wie er möchte und einfach auch mal zu sich stehen und selbstbewusst sein? 

 

Ich bin ehrlich. Wenn ich mich hässlich fühle, melde ich mich entweder bei Lovoo oder Tinder an, oder ich poste ein Selfie auf Instagram - und siehe da, ein paar dumme Likes und Nachrichten pushen direkt mein Selbstwertgefühl. Einerseits traurig, aber andererseits (zumindest bei mir) einfach Realität. Es reden immer alle davon, dass das Äußere nicht alles ist, aber wenn ich mich in der Welt, egal ob real oder social umsehen, geht es doch vorrangig nur darum. Auch in der Arbeitswelt spielt Optik definitiv eine Rolle. Versteht mich nicht falsch, aber ich habe schon von dem ein oder anderen Personaler Aussagen gehört, die dann Fehler im Bewerbungsprozess ausgemerzt haben, "denn die sieht doch gut aus, das kriegen wir schon hin." Wir Menschen sind oberflächlich, machen wir uns nichts vor, aber muss das sein?

 

Um die oben beschriebene Situation aufzugreifen, ich habe es mir jetzt zum Motto gemacht, mich kaum mehr, oder nur sehr dezent zu schminken, ich habe momentan schlichtweg keinen Bock auf mehr. Sollen doch bitte alle Leute denken und reden wie sie wollen - im besten Fall sollte man dabei aber bei sich selbst anfangen, und wenn man damit fertig ist, kann man darüber nachdenken, wie sich andere Menschen vielleicht bei gewissen Aussagen fühlen. Nicht jede Frau steht zu jedem Problem (wahrscheinlich geht es auch vielen Männern so, nur sind Männer bei dem Thema irgendwie oft verschwiegener habe ich das Gefühl?). Ich finde mich auch nicht immer schön. Bei mir persönlich ist mein Empfinden über mein Äußeres sehr tagesformabhängig. Je besser es mir geht, umso besser fühle ich mich, umso schöner fühle ich mich. Aber darf ich das dann nicht kommunizieren? Ich hoffe das klingt jetzt alles nicht so, als würde ich den ganzen Tag rumlaufen und schreien, yeah, ich bin die geilste und schönste und was auch immer, im Gegenteil. Gleichzeitig weiß ich, dass ich nicht hässlich bin, auch wenn ich mal ungeschminkt bin. Und ihr glaubt gar nicht, wie viel es gekostet hat, dieses Selbstbewusstsein aufzubauen. Aber ist das nicht eigentlich ok, weil es ist doch einfach meine Meinung?

 

Für mich ist Make-Up oft eine Maske, hinter der ich mich liebend gerne verstecke. Mit der ich zeigen kann, ja, ich sehe gut aus, also muss es mir auch gut gehen. Ich glaube, richtig begriffen habe ich das alles tatsächlich erst durch meinen Blog. Wie fragt ihr euch? Ganz einfach. Ich habe durch meine Texte schon so manche Nachricht mit Komplimenten erhalten, die mir wahrlich etwas bedeutet haben. Menschen, die mir geschrieben haben, sie würden meine Bücher sofort kaufen. Menschen, die mir geschrieben haben, sie finden die Art und Weise wie ich Denke und Schreibe wundervoll. Menschen die mir geschrieben haben, dass sie meinen nächsten Texte sehnsüchtig erwarten. Irgendwie hat mir das gezeigt, was wirklich zählt. Das bedeutet mir einfach viel mehr, als irgend ein hübsches Make-Up oder ein toller Style oder sonst was.

 

Klar, ich war auch davor nicht oberflächlich, aber es zählt im Leben einfach mehr. Was wirklich zählt, ist hinter die Fassade zu blicken. Was für mich wirklich zählt, ist echt und ehrlich zu sein. Zu sich zu stehen, sich nicht zu verstecken. Über Probleme zu stehen und genauso zu sich selbst zu stehen.

 

Ja, ich kann sagen, dass ich schön bin ohne dabei arrogant zu sein - denn hey, es ist nur eine Fassade. Was wirklich zählt, sieht man niemals auf den ersten Blick. Nie.

 

Passt auf euch auf & vielen Dank fürs Lesen :)

 

AndreaKaro

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Kommentare: 4
  • #1

    Tom (Montag, 11 September 2017 21:30)

    Hiermit möchte ich ganz Vehement und mit absolutem Nachdruck mein Veto einlegen ;-)
    Männer fühlen sich genauso verletzt wenn man ihnen sagt dass sie nicht hübsch sind. Und sie fahren genauso auf Komplimente ab und fühlen sich im Selbstwert gestärkt wenn man(n) denn welche bekommt. Die  Männer machen sich permanent sehr ähnliche Gedanken. Nur erwartet die "Gesellschaft" das wir Männer sowas nicht nach außen tragen, das wir alles locker wegstecken und das starke Geschlecht spielen ;-)
    Und so treten dann auch viele auf... Eigentlich totaler Blödsinn, aber so ist es.
    So, das wollte ich nur mal klarstellen :-D
    Und ja, es ist wirklich in unserer Gesellschaft so, dass die als hübsch zählenden Menschen erfolgreicher sind als der Rest.
    Hey, aber mal nebenbei bemerkt, mache dir keine großen Sorgen, in dieser Gesellschaft kannst du es weit bringen ;) Ich denke du verstehst den Wink mit dem Zaunpfahl :-)
    Liebe Grüße, Tom(ohv)

  • #2

    AndreaKaro (Dienstag, 12 September 2017 18:03)

    Lieber Tom,
    vielen Dank für den Kommentar. Ich wollte in meinem Text die liebe Männerwelt gar nicht untergraben - aber wie du schon sagst, unsere Gesellschaft legt das Augenmerk hier einfach viel mehr auf die Frauen... Aber Danke :)
    Den Wink mit dem Zaunpfahl hab ich verstanden, beim dritten Mal lesen zwar erst, aber herzlichen Dank :)
    Viele Grüße, Andrea

  • #3

    Niklas F. (Mittwoch, 20 September 2017 23:09)

    Kurz gesagt: die Gesellschaft denkt oberflächlich und setzt Perfektion voraus - immer, überall. Besonders dein Beispiel bzgl. der Arbeitswelt schockiert mich, überrascht mich aber ebenso wenig.

    Die Frage ist doch: wie gehe ICH als jemand, der sich täglich damit konfrontiert sieht, aber eine andere Meinung vetritt (für den die Fassade nicht alles ist), damit um?

    DU gehst damit um, indem du zu deiner Persönlichkeit stehst und selbstbewusst aussprichst, was du denkst. Ich finde es keineswegs arrogant, wenn du dich schön findest und das sogar weißt - das ist die Entscheidung, die ICH treffe. Ich lege für mich fest, dass du

    Prinzipiell bewegen wir uns automatisch in Umfeldern, in denen Menschen ähnliche Ansichten vertreten; oder umgekehrt gesagt: von der Gegenfront distanzieren wir uns zügig. Je bodenständiger wir sind, umso schneller.

    Ich behaupte hiermit, dass, wenn sich jemand regelmäßig mit oberflächlichen Menschen konfrontiert sieht, dies auf früheren Entscheidungen basiert. Niemand ist gezwungen, mit oberflächlichen Menschen zu verkehren. Und wenn doch, dann hat er immer noch die Chance, den Ort zu wechseln.

    Nächste Frage: wieso betrachtet jemand Menschen so, wie er es tut?
    Genauso könnte ich dich als arrogant empfinden oder gar als hässlich, DENN ein hässlicher Charakter führt oft dazu, dass die Fassade erst recht unattraktiv wirkt.

    Die Antwort: ich betrachtete dich neutral, nach dem Lesen des Artikels als positiv, da meine Glaubenssätze dahingehen, dass ich Menschen nicht vorverurteile und ihnen den Spielraum gebe, sich zu präsentieren. Du machst das positiv, also hast du gewonnen. ;)

    Du merkst es vermutlich: mein Feedback ist stark Ich-bezogen.
    Warum empfindest du das (vermutlich) NICHT als arrogant? Weil du dich dafür entschieden hast, ähnliche Ansichten teilst.

    Das Problem der Probleme: die wenigsten sind bereit, an ihrem Gefühlszustand etwas zu ändern! Wenn jemand merkt, dass er sich unattraktiv vorkommt, dann tut er vermutlich nichts, als sich selbst zu bemitleiden und eben - wie du - Selfies zu posten oder "sich zu flüchten".

    Ich sehe diese Probleme relativ locker - das Leben ist ein Lernprozess. Menschen wie du und ich, werden es früher oder später schaffen, sich komplett zu akzeptieren und selbstbewusst durch das Leben zu gehen.
    Andere vielleicht nicht.

    Es hängt allein vom Menschen und den Entscheidungen ab, die er trifft.

    (NICHT getroffene Entscheidungen ziehen natürlich auch keine Wirkung nach sich.)

    Liebe Grüße
    Niklas

  • #4

    AndreaKaro (Donnerstag, 21 September 2017 10:00)

    Lieber Niklas,

    vorab herzlichen Dank für deinen Kommentare, ich glaube, dass wir generell sehr ähnliche Ansichten haben! Auf ein paar Punkte möchte ich aber noch eingehen, bzw. etwas anmerken.

    Dass wir unser Umfeld unseren Einstellungen anpassen, stimmt durchaus, aber oftmals wird man einfach mit anderen Menschen konfrontiert, das beste Beispiel hierfür ist wohl die Arbeit. Natürlich ist ein Jobwechsel eine Option, aber manchmal muss man auch andere Ansichten akzeptieren und sich im Notfall eben einfach anpassen, auch wenns schwer ist.

    Ich mag die Ansicht, dass du Menschen nicht verurteilst sondern offen herangehst und es wäre schön, wenn mehr Leute so denken würden. Aber leider ist Schubladendenken einfach trotzdem eher an der Tagesordnung...

    Jeder Kommentar darf hier Ich-bezogen sein, denn mein Blog ist ja nicht anders, und wenn ich meine Meinung teile dürfen das andere genauso machen. :)

    Um zu dem Punkt zu kommen "sich selbst zu ändern", jeder kennt ihn, den inneren Schweinehund, was diesen Punkt einfach schwer macht. Menschen sind oft träge und übernehmen Ansichten oftmals lieber, ohne groß darüber nachzudenken... Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das irgendwann. :)

    Ich hoffe, dass du, ich und jeder andere es irgendwann schafft, sich wirklich ganz und gar zu akzeptieren, mit all den positiven und negativen Seiten.

    Ich wünsche dir noch einen schönen Tag, man liest sich! :)