Mount Everest Basecamp Trek

Von allen möglichen Themen, die potentiell je auf diesem Blog landen könnten, hätte ich mit einem nie, nie überhaupt gar nie gerechnet - dem Mount Everest Basecamp Trek. Den ich letztens gemacht hab. Ich als gute Wanderin, die ständig in den Alpen ist, ihre Wanderschuhe vor dem Basecamp genau 40 Minuten lang eingelaufen hat - but god damn! I DID IT! (Wow, jetzt hab ich das Ende vom Blog schon gespoilert, aber es ist auch einiges passiert, deshalb lohnt sich lesen trotzdem.)


13 Tage, über 180 Kilometer und ganz dünne Luft...


Wie kam es und wie war es?

Seit Anfang September bin ich mit Max und Martina auf Reisen. Lange davor haben wir das schon geplant, und Max hat am Anfang immer davon gesprochen, dass er auch gerne im Himalaya wandern würde. Jo, könn ma schon machen, bissl wandern wird schon klar gehen... Gut, dass ich manchmal vorab nicht allzuviel hinterfrage, sonst wäre ich wahrscheinlich nicht mitgekommen, denn dass ein "ein bisschen im Himalaya wandern" eine nette Umschreibung für "lass und auf über 5000 Höhenmeter zum Fuß des höchsten Berges der Welt wandern" ist, hätte mich sonst vermutlich abgeschreckt. Aber, wie öfter, hab ich einfach nicht so viel nachgedacht und mal mitgemacht. 

Schon in Deutschland habe ich mir Wanderschuhe gekauft - die ich dann auf 2 Mini Spaziergängen mitm Hund "eingelaufen" habe... Hahaha, aber wenn ich eins sagen kann, jetzt sind die Schuhe eingelaufen. (Witzige Story aus dem Geschäft, ich habe mich ja fachmännisch beraten lassen. Ich bin im Geschäft also ein wenig hin und hergelaufen und die Kundin nach mit hat mitbekommen, was ich vor habe. Als sie dann an der Reihe war meinte sie etwas ehrfürchtig zum Verkäufer - ne, also für so krasse Sachen wie Everest Basecamp Trek braucht sie keine Schuhe, sie macht nur gelegentlich so 20 Kilometer Wanderungen.... Und ich musste innerlich lachen und weinen gleichzeitig, weil in der Situation so viel Ironie war, die Gute hätte vermutlich so viel besser hier her gepasst als ich.. aber wat soll ich sagen). 

 

Wie dem auch sei, Schuhe gekauft, nicht eingelaufen, und irgendwann saß ich dann zusammen mit meinen Reisebuddys in nem irrekleinen Flugzeug Richtung einem der gefährlichsten Flughäfen der Welt. Ja merci, Gott sei Dank habe ich mich auch hierüber vorab gar nicht soooo genau informiert. (Eigentlich war alles, was ich gemacht hab, Dokus über Wanderer anzuschauen, die in den Bergen gestorben sind, ich weiß schon, wie ich mich motivieren kann...)

 

Aber gut, wir sind in Lukla gelandet, haben uns erstmal ein Hotel genommen und sind am nächsten Tag dann losmarschiert. Ich will gar nicht so viel auf die einzelnen Tage eingehen, weil dafür könnt ihr den Blog von Travelgrapher lesen, ich möchte viel mehr einfach versuchen, irgendwie meinen Gesamteindruck zu erzählen und ein paar Bildchen zeigen. Vorab - die Bilder sind nicht im Ansatz so beeindruckend, wie die Realität ist. 

 

Wie war es? Ganz einfach zusammengefasst: Krass anstrengend und krass beeindrucken. Was ich wohl am faszinierendsten fand war natürlich die Natur. Diese ist gefühlt jeden Kilometer Richtung EBS komplett anders. Mal gehts am Fluss entlang, mal steil rauf oder runter, mal durch hübsche Rhododendrenwälder, mal durch riesen Felsen (die aufeinander liegen als würden sie das gleich nicht mehr tun) - es ist einfach unglaublich abwechslungsreich und vielfältig. Und ringsherum natürlich die ganzen 6000, 7000 und 8000 Meter hohen Berge. Da fühlst du dich schon verdammt klein und unbedeutend. Aber seht euch ein paar Bilder selbst an. 

 


Yak Attack...

Wer mich etwas kennt weiß, dass ich nicht unbedingt der größte Fan von Kühen bin. Kühe töten mehr Menschen als Haie und irgendwie habe ich immer Angst, dass eine Kuh einen über den Haufen rennen will. Jap, und im Himalaya wäre das hald wirklich fast passiert.... Und verdammt, das war wirklich krass knapp. 

 

In den Höhen des Himalayas leben Yaks, auch wir haben nach kurzer Zeit die ersten gesehen. Einmal wars dann auch so, dass wir ein Yak am Hang haben stehen sehen. Andere Menschen haben Steine auf dieses geworfen, weil das wohl etwas aggressiv war und schon immer unterwegs Richtung Wanderweg war, sie wollten es vertreiben. Unser Guide ging dann voraus, ebenfalls bewaffnet mit einem Stein um es zu vertreiben. Doch anstatt dass das Yak zurück nach unten gelaufen ist ist es nach oben, Richtung der Wege. Ich kann gar nicht genau sagen, was dann passiert ist, weil es echt schnell ging - meine Devise war einfach: Rasch nach oben klettern, um dem Tier Platz zu machen. Ich dachte auch, dass Martina hinter mir sei, weshalb ich möglichst hoch wollte... Solange bis ich einfach nur ein "ANDREA, RUNTER" gehört habe, und als ich den Kopf gehoben habe, sehe ich wie dieses Scheiß Viech genau den Weg läuft, auf den ich grad zusteuere. Ohne große Überlegung bin ich also wieder runtergesprungen und habe mich an einem Busch abgefangen, weils neben meinem ursprünglichen Weg dann doch ein Stück nach unten gegangen wäre... Blöd nur, dass ich mich in einem Dornenbusch abgefangen habe. Entsprechend war auch meine Hand voller Dornen (das ist jetzt fast 2 Wochen her, aktuell befinden sich noch 4 Dornen in meiner Hand). Aber, lieber eine Hand voll Dornen als ein Gesicht voller Rinderhorn.... Wir hatten da echt verdammt viel Glück, aber glaubt mir, bei jedem Yak, Rind und sonst was, das mir entgegen kam, sind meine Eingeweide ein wenig verkrampft. 

 

Aber schaut euch auch bitte mal das Yak auf dem Bild an, das schaut schon aus wie die letzte Bitch. Ich hoffe, dass ich nie wieder eines der Tiere in meinem Leben persönlich treffe. (Gott sei Dank sterben die unter rud 3500 Höhenmetern, weils ihnen dann zu warm wird.)


Everest Basecamp und Mount Everest

Irgendwann war es dann so weit und wir haben es tatsäclich bist zum Mount Everest Basecamp geschafft. Für uns ein riesen Schritt, für unseren Sherpa ein lächerlicher Spaziergang... zu den Sherpas später noch mehr. 

 

Mein erster Gedanke im Basecamp war tatsächlich: Hier sollen manchmal Zelte stehen? Der Boden im EBS ist vollkommen mit Schotter bedeckt, ich kann mir echt nicht vorstellen, dass man hier campen kann. Aber zu dem, was einen ein paar Kilometer weiter oben erwartet ist das Basecamp vermutlich noch purer Luxus.

Was mich überrascht hat, war, dass man den Mount Everest, der übrigens von den Einheimischen Sagarmatha genannt wird, kaum sieht. Man sieht wirklich nur die Spitze und sie ist klein, oder anders ausgedrückt: Obwohl wir auf über 5300 Höhenmetern waren war die Spitze des höchsten Berges noch immer unendlich weit weg. Es ist verrückt, da bist du so weit oben, so weit gegangen und bist trotzdem noch so weit weg, bist so klein und unbedeutend. Aber das Gefühl, es so weit geschafft zu haben ist dennoch total verrückt und irgendwie unbeschreiblich und ganz ehrlich, ich glaube so richtig realisiert habe ich es immer noch nicht. (Man braucht mich aber nicht kneifen, eine Dorne in meiner Hand tut nämlich manchmal sowieso weh). 

 

Wir habens geschafft. Wir sind echt bis zum Everest Basecamp gegangen (und dann auf 3,5 Tage zurück nach Lukla, aber irgendwie wird der Rückweg so oft unter den Tisch gekehrt! Aber ich gebe zu, vom Rückweg habe ich auch kaum Bilder, weil auch ich einfach nur zurück wollte.).


Sherpas - die Helden am Everest

Die Sherpas, also die Einheimischen, die für Touristen die Wanderungen überhaupt ermöglichen, indem sie zB Gepäck tragen, in gefährlichen Situationen helfen und einen begleiten, sind die wahren Helden des Everest, bzw. sämtlicher Bergtouren im Himalaya. Als erster Mensche, der den Mount Everest bezwungen hat, wurde lange Edmund Hillary bezeichnet, aber es war sein Sherpa Tenzing Norgay, der als erstes auf dem Gipfel war. Und ich glaube, dass auch Heute noch die Arbeit, die die Sherpas leisten, viel zu wenig geschätzt wird. Auch wir hatten einen Sherpa, der uns geholfen und begleitet hat. Unser Sherpa war schon 8x auf dem Mount Everest, einige Male musste er unterwegs abbrechen, weil die Wanderer es nicht geschafft haben. Diese Leute riskieren ihr Leben, wir haben einige traurige Storys von verunglückten Sherpas erfahren, nur damit ein paar Touristen sagen, sie hätten den Mount Everest erklommen. Wir hätten das Basecamp allein vermutlich nicht erreicht. Die meisten würden die Spitze auch nicht erreichen, wenn ihnen nicht alles hochgetragen und vorbereitet wird. Versteht mich nicht falsch, wenn man in der Höhe nicht aufgewachsen ist, hat man in dieser Region mit ganz anderen Belastungen zu kämpfen, ich möchte an der Stelle nur einfach meinen imaginären Hut vor den Leuten aus dem Himalaya ziehen und etwas dafür sensibilisieren, wem die Ehre für das Erreichen des Everests gebührt. Ihr seid krass, was ihr leistet, was ihr gebt und wie unglaublich freundlich und herzlich und toll ihr dabei seid. Besonders unser Guide Lhakpa. (Falls ihr je nen Guide braucht, gebt Bescheid, ich gebe euch seine Nummer.) Tuche!

 

 

 


Ein paar Zahlen... und Antworten.

Abschließend möchte ich die Frage beantworten, die mir bisher schon ein paar mal gestellt wurde - was isst man denn da oben? Naja, recht spannend ist es nicht. Es gab entweder Reis, Nudeln oder Kartoffeln, oder Dhal Bat, ein Linsengericht mit Reis. Man soll Kohlehydratreich essen, wenn man Hunger hat. Viele leiden in der Höhe unter Appetitlosigkeit, mitunter ein Symptom der Höhenkrankheit, welche den ein oder anderen trifft, ich bin Gott sei Dank verschont geblieben... Und ich hatte auch echt fast immer ordentlich Hunger :D Auch wenn ich weder Reis, noch Nudeln, noch Kartoffeln mehr so richtig sehen kann... Aber man brauchts, und wenn man Hunger hat geht ja immerhin fast alles. 

 

Ansonsten hier die Wanderrung noch in Zahlen:

 

Wir waren 13 Tage unterwegs, davon hatten wir 3 Ruhetage, um uns zumindest etwas an die Höhe zu gewöhnen. (In Namche Bazar haben wir unseren Sauerstoffgehalt im Blut gemessen, bei Wanderen wären auf der Höhe so 85 ganz nett - meiner lag bei 98%. Mein Jahrelanges Training in der Höhe hat sich also bezahlt gemacht! (Ironie off, ich denke eher, das Gerät hat gesponnen, lustig war es aber irgendwie trotzdem).

Heiter gehts weiter mit ein paar Zahlen, die Quelle dafür ist meine FitBit. Diese sagte, dass wir in den 13 Tagen satte 181 Kilometer weit gegangen sind, ich habe dabei ganze 276.629 Schritte getan. (Und ein eher trauriger Fakt - ich habe die meisten Schritte gesammelt, weil meine Schrittlänge kürzer ist als die der anderen... Ergo war der Trip für mich nochmal ne Schippe anstrengender. Und es geht hier nicht um ein paar Schritte, ich hatte je nach Weglänge 2000 - 5000 Schritte mehr. PRO TAG!) Stockwerke zählt meine Uhr nicht, gefühlt waren es aber so round about 23 Millionen, die wir gegangen sind. 

 

Und abschließend, was mich etwas traurig gemacht hat: Ich wollte in Namche Bazar in das höchste Irish Pub der Welt. Ich habe ja lange Irischen Tanz gemacht, Irish Pubs gehören also für mich dazu. Aber als ich dann dort hin wollte hatte es zu... Mäh, das hat mich schon etwas knatschig gemacht. Weil da komm ich sicher nicht mehr vorbei. Der Trek war unglaublich, die Natur, die Menschen, alles war grandios. Aber der Weg zum EBC war eine Once in a Lifetime Erfahrung. Aber ich bereue keinen Schritt, egal wie anstrengend er war, und egal, wie krass ich geschnauft hab. 

 

Ich könnte vermutlich noch ewig lange weiter schreiben, aber alle Eindrücke werde ich nie komplett in Worte fassen können. Und ich muss mir ja auch noch was aufheben, falls ich mal mit jemandem über die Reise quatsche, nicht dass es dann immer nur heißt, oh, hab ich schon im Blog gelesen. :P

Nein, aber im Ernst. Es war einfach krasser, als Worte und Bilder es beschreiben könnten. Ich verlinke euch hier auch noch das Video von Traphelgrapher, nehmt euch die Zeit, schaut es euch an, es lohnt sich. Auch wenn auch das Video noch immer nicht zeigt, wie krass es wirklich war. 

 

Danke fürs Lesen & passt auf euch auf. <3


Kommentar schreiben

Kommentare: 0