Ciao Nepal, Hi Indien, Taj Mahal & mein 26. Geburtstag

Ganz viele Gedanken und Impressionen, zusammengefasst in ganz wenig Text. Eigentlich wollte ich auf reise weniger Arbeiten und mehr Bloggen, aber Black Friday und Weihnachten nahen - und das ist dann doch so ne kleine Hochsaison. Und arbeiten ist auch echt ein guter Ausgleich beim Reisen, weil es Routine bringt. Ich denke, über das Thema schreibe ich gesondert. 

Heute gehts um die letzten Tage in Kathmandu, unsere Reise nach Indien, die ersten Impressionen aus dem Land sowie Sehenswürdigkeiten und ein paar Gedanken zu meinem Geburtstag. Also eher ein Gedanken-Karusell-Blog, aber sorry, gefühlt dreht sich auch grad alles und so gehts grad zu in meinem Kopf. :D


Die letzten Tage in Nepal.

Viel schneller als erwartet sind knapp 2 Monate Nepal rum. 2 Monate, die ich jetzt schon von Daheim weg bin, 2 Monate neue Kultur, anderes essen, und 24/7 permanent mit Travelgrapher zusammensitzen. Und was soll ich sagen? Es ist großartig. Wirklich. Ich wurde schon ein paar Mal gefragt, ob ich Heimweh habe, und natürlich, würde ich nur zu gern meine Familie in den Arm nehmen und mit meinen Freunden ein Bierchen trinken, aber so wirklich Heimweh habe ich nicht, ich glaube, dazu fehlt mir auch die Zeit. Wir schauen und wirklich viel an und arbeiten ansonsten. Dazu noch ein bisschen Essen, schlafen und Sport und ehe du dich versiehst sind 2 Monate Nepal rum. Jetzt ist schon wieder fast Mitte November, die Reisepläne für den Rest des Jahres konkretisieren sich, Zeit rennt. 


Die letzten Tage in Kathmandu waren sehr entspannt. Wir haben uns von den Strapazen des Mount Everest Basecamp Treks erholt, noch ein bisschen die Stadt erkundet und das wars. Dennoch wurde Kathmandu in der Zeit schon irgendwie ein bisschen wie eine Heimat und es war dann doch sehr komisch, in den letzten Oktobertagen die Koffer zu packen. Ich war nicht traurig, aber es ist einfach ein komisches Gefühl. Bin sehr gespannt, ob das immer so sein wird. 

 

Zusammenfassend lässt sich unterm Strich über Nepal sagen, dass es schon irgendwie echt dreckig war, besonders in Kathmandu, aber es gibt auch viele tolle Orte, nicht nur das Himalaya und den Mount Everest!, und ganz besonders die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen dort macht das Land einfach aus. 


Die ersten Tage in Indien, Armut und viele Selfies.

In einem ca. 2 Stündigen Flug ging es dann zackig von Nepal nach Indien, genauer gesagt erstmal nach Delhi und es fühlt sich an, als wäre man in eine ganz andere Welt geworfen worden. Mein erster Eindruck zu dem Land lässt sich hier in nur einem Wort zusammenfassen: Gegensatz. Du hast riesen Firmen, davor campen Menschen in Slums, schlafen in Zelten oder Holzboxen auf Stelzen, manchmal auch einfach nur unter Planen und überall dazwischen Kühe, Hunde und Schweine. Und es gibt wahnsinnig viele Bettler, die sogar an deine Autoscheibe klopfen, während du an der Ampel wartest. Puh, das macht es einem schon oft schwer, besonders, wenn Kinder dann an die Scheibe klopfen, und ja, es fällt schwer, dann nichts herzugeben. Dennoch soll man besonders bettelnden Kindern nichts geben, denn das ist oftmals nur noch mehr Ansporn, die Kinder weiter zum betteln zu schicken, anstelle in die Schule. Einige Guides haben uns auch schon gesagt, dass es mittlerweile auch eine Art "Business" geworden ist - also es betteln sowohl arme Kinder, die es wirklich brauchen als auch Kinder, die von ihren Eltern einfach geschickt werden um so schnelles Geld zu holen. Da hart zu bleiben ist ekelhaft und ich schäme mich dann oft auch irgendwie, wenn ich mit meinem iPhone im Auto sitze und die Kinder und Bettler ignoriere, aber zugleich weiß ich, dass ich auch einfach nicht helfen kann. Und auch wenn ich wollte, wo fange ich an, wo höre ich auf? Du wirst hier alle paar Meter angebettelt. Es ist echt schwer und führt für mich auch innerlich zu vielen Konflikten, und ja, ich versuche, diese auszublenden, auch wenn es vielleicht jetzt super egoistisch klingt. Hier in Indien ist das Kastensystem ja noch sehr weit verbreitet, auf gut Deutsch also, wenn du in ner misslichen Lage geboren wirst dann wirst du da auch bleiben. 

Ansonsten ist Indien wirklich schön, besonders die Baukunst ist unglaublich faszinierend und die Menschen, die hier durchlaufen sind meist unglaublich toll gekleidet. Besonders die bunten Saris der Frauen sind echt toll. Auch das Essen mag ich bisher wirklich gern, schon allein, weil im Vergleich zu Nepal endlich wieder Gewürze verwendet werden. 

 

Was ich sonst noch sagen kann - das Selfie Game in Indien ist unglaublich, besonders krass waren unser Besuch am Taj Mahal sowie unsere Stadttour durch Delhi. Für die Inder ist es wirklich was besonderes, Weiße zu sehen, und so schauen sie dich auch an. Wobei, schauen kann man oft nicht sagen, es wird regelrecht gestarrt. Und wir wurden auch schon oft um Selfies gefragt, sowohl einzeln als auch in der Gruppe. Man merkt das immer, wenn man wo steht und sich ne kleine Menschentraube hinter einem sammelt und du weißt schon, eigentlich würden sie gerne, trauen sich aber nicht. Bis dann einer den ersten Schritt macht und nach einem Foto fragt - und dann gehts los. Teilweise hatten wir schon Situationen, wo dann der Guide irgendwann meinte, wir gehen jetzt, sonst kommen wir hier nicht mehr raus. Auch die Prioritäten sind teilweise komisch. Ein Mann fragte mich letztens, ob seine Frau ein Bild mit mir machen könne, klar, kein Problem. Foto gemacht, die Dame trug, wie viele hier, verschleierte Haare. Wenig später sehe ich, dass sie eigentlich nicht nur ihre Haare, sondern auch ihr Gesicht mit einem Schleier bedeckt - aber es hat wohl auch Religion ihre Grenzen, wenn man schon mal ne Weiße Person sieht. Es ist so kurios. 

Nach einer Woche Delhi sind wir dann nach Amritsar in Punjab geflogen, hier lebt ein Freund von Max und Martina, den wir besuchen. Hier werden so gut wie keine Fotos gemacht, aber die Leute starren ebenfalls. Letztens stand im Supermarkt ein Mädchen neben mir, schaut mich an, zückt ihr Handy und ich war sicher, sie fragt gleich nach einem Foto. Nope, sie hat WhatsApp geöffnet und an irgendwen geschrieben "I saw pale", also ich habe blasse Menschen gesehen. (Sorry not sorry, ja ich hab die Nachricht auf ihrem Handy mitgelesen, aber Hey, sie hat mich zuerst angestarrt.) Man fühlt sich da zeitweise schon irgendwie ein bisschen "fame" und irgendwie ist es auch komisch, damit umzugehen. Es ist lustig und verrückt und ich mag es irgendwie, aber irgendwie. Indien ist unglaublich verrückt einfach. 

 

Ach und Thema Verrückt, eine letzte Story habe ich noch. Man wird ja auch in Autos oft angebettelt. Dort laufen auch viele Ladyboys rum, die ebenfalls betteln. Inder geben diesen ganz gern Geld, weil die Ladyboys einen dann segnen und die Inder sind davon überzeugt, dass der Segen eines Ladyboys etwas ganz besonderes ist. Die Inder können nicht einordnen, wie Ladyboys sind und sehen sie deshalb als etwas besonderes, aber diesen Gedanken finde ich definitiv besser, als den Umgang mit Transgendern und der LGBTQ+ Community in vielen anderen Ländern. 


Taj Mahal

Bilder sagen mehr als tausend Worte, aber ungefähr nichts kann beschreiben, wie krass der Taj Mahal aussieht. Auf meinen Bildern wirkt er bestimmt ganz nett, aber das Monument, welches als Grab und Zeichen der Liebe dient muss man im Leben definitiv gesehen haben. Ich bin selbst kein Fan davon, Orte zweimal zu besuchen, weil es so viel zu sehen gibt, aber den Taj Mahal würde ich sofort wieder besuchen. Wow, wow, wow, einfach nur Wow. Es ist einfach so wunderschön. 


Goldener Tempel

Nach einer Woche Delhi sind wir eben, wie schon erwähnt, weitergereist nach Amritsar. Ein Highlight ist hier der goldene Tempel, er ist das höchste Heiligtum der Sikhs in Amritsar. Und so faszinierend der Ort ist, so stutzig bin ich, wie Menschen oftmals mit Religion umgehen. Aber Step by Step.

 

Schon der Weg zum Tempel war verrückt. Zunächst mussten wir Schuhe und Socken ausziehen und unsere Köpfe mit Tüchern bedecken. Der Kopf gilt als der schmutzigste Teil des Körpers, weil dort alle schmutzigen Gedanken sind (sorry not sorry). Anschließend wurden die Hände gewaschen und zuletzt gingen wir dann durch ein kleines Wasserbecken, damit die Füße auch noch gesäubert werden. Was für ein Act, nur um überhaupt Einlass zu bekommen. Gelohnt hat es sich, der goldene Tempel ist wirklich, wirklich schön uns sehr faszinierend von außen. Drinnen waren wir nicht, die Schlange war zu lange, und es gibt Menschen, denen es bestimmt mehr bedeutet, als uns, dort drinnen zu sein. Auf der gesamten Tempelanlage lagen schlafende Menschen, was uns zunächst überrascht hat. Der erste Gedanke war, dass das Bettler sind, die dort nächtigen, dem ist aber nicht so. Es handelt sich hierbei um Menschen, die teils weite Reisen auf sich nehmen um dort hin zu kommen. Sie schlafen dann vor Ort um direkt im Morgengrauen hier beten zu können. 

Was aber das wohl kurioseste war, war, dass jeden Abend ein Buch zu Bett gebracht wird, morgens "steht es dann wieder auf". Bei dem Buch handelt es sich um das Heilige Buch "Guru Granth Sahib", es ist der ewige Nachfolger des letzten Menschlichen Gurus der Sikhs. Dieser Moment ist ein Ritus, der jeden einzelnen Abend vollzogen wird. Es ist sehr faszinierend, die Stimmung ist dramatisch und wirklich geladen, es singen alle, der Boden wird abgestaubt, bevor die Männer mit dem Buch kommen und man merkt schon, wie bedeutsam das ist. Gleichzeitig ist es hald doch einfach nur ein Buch. Ich möchte keine Religion beschämen, aber ich bin (2x) aus der Kirche ausgetreten und ich akzeptiere Religion und freue mich, wenn jemand darin halt findet. Aber zugleich ist es hald auch einfach so unglaublich und kurios und verrückt. 

 

Und was ich mir gestern auch gedacht habe - all das passiert jetzt gerade, in jedem Augenblick. Während ich sonst Abends daheim am Herd stehe wird irgendwo anders auf der Welt grad ein Buch ins Bett gebracht, jemand erklimmt das Everest Basecamp. Die Welt ist so viel mehr, als uns bewusst ist und das wird mir im Moment bewusst. Ist doch verrückt, oder?


26. Geburtstag

Puuuh, das waren schon echt viele Themen bisher aber eines muss ich für jetzt auch noch mitaufnehmen, denn ich weiß nicht, wann der nächste Blog kommt. 
Woop woop, ich werde 26. <3 <3 <3 Verrückt, letztes Jahr habe ich meinem Geburtstag im Lockdown Light verbracht, habe grad nen neuen Job angefangen und war wirklich fein mit den meisten Bereichen meines Lebens. Never ever ever hätte ich erwartet, dass sich mein Leben einmal um 180°dreht! Nie! Nie nie niemals!!! Aber, sag niemals nie. Rückblickend ist im vergangenen Jahr viel passiert, gutes wie schlechtes, schönes wie verletzendes. Zusammenfassend bin ich aber unglaublich stolz drauf, was alles passiert ist, wie mutig ich war, den Schritt zu gehen, daheim erstmal alles abzubrechen und mich in die Welt aufzumachen. Auch mit anderen Themen zu brechen hat mir geholfen, mich weiterzuentwickeln und vor allem, das ist das wichtigste, endlich wieder vollkommen glücklich zu sein. Gerade in den letzten Monaten konnte ich Themen verarbeiten und ich lerne gerade, Dinge zu verzeihen. Zu verzeihen, nicht weil die Person es verdient hat, sondern weil ich es verdient habe, endlich abschließen zu dürfen und meiner Seele ein Stück weit Frieden zu geben. (Vergesst nie, das Leben, das ich hier und besonders in Instagram zeige, ist nur die oberste Spitze des Eisbergs.) Aber das ist ein Teil Vergangenheit, der auch in der Vergangenheit bleibt. 

 

Viel wichtiger sind die Menschen, die aus der Vergangenheit in die Zukunft mitkommen und ich glaube ich war nie Dankbarer für die Menschen und die Liebe, die es in meinem Leben gibt. Angefangen von meiner Familie über wunderbare Freunde (keine Namen, ich vergesse sonst nur wen:D) und natürlich im vergangenen Jahr auch ganz besonders Max und Martina, die mich hier auf ihre Reise mitnehmen. Ich werde vermutlich nie genug Danke sagen können für so viel Glück und Liebe und einfach alles. (Genug, ich werde grad sentimental und weine ein bisschen vor mich hin :') )

 

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so glücklich und zufrieden war und dafür möchte ich einfach Danke sagen. So kann ich mein neues Lebensjahr definitiv starten und ich bin unglaublich gespannt, was die nächsten 12 Monate so für mich bereit halten. Woop, woop, here we go, ich bin gespannt!

Danke fürs Lesen, passt auf euch auf & bis bald!
Andrea Karo

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